![]() |
Aktuelles
Wir nehmen an folgenden Veranstaltungen teil:
2. bis 4. März 2012, Editionale Köln
10. bis 14. Oktober 2012, Frankfurter Buchmesse
Über das Projekt
»Wenn unsere Prognosen nicht irren, wird in hundert Jahren jemand die hundert Bände der Zweiten Enzyklopädie von Tlön entdecken.« schrieb Jorge Luis Borges 1941 im Nachtrag zu seiner Erzählung Tlön, Uqbar, Orbis Tertius. Sein Text ist nach über 50 Jahren Auslöser und Inspirationsquelle für ein Projekt, das wir als den Versuch einer Rekonstruktion der Zweiten Enzyklopädie von Tlön begreifen. Fünfzig Bände sind innerhalb von zehn Jahren (1997 bis 2006) entstanden. Das Zusammentragen der richtigen Stichworte (pro Band gibt es nur ein Stichwort) und ihre Vernetzung untereinander, sahen wir als wichtige Voraussetzung für das Gelingen an. Es sollte kein Stückwerk aus beliebigen Stichwörtern sein, sondern eine zusammenhängende, dem tlönschen Geist verpflichtete Arbeit. Von Anfang an gab es Listen mit Vorschlägen für die Stichwörter. Sie veränderten sich ständig, neue kamen hinzu, alte wurden verworfen. Es bildeten sich Untergruppen: Flora und Fauna, die drei Grundfarben, die vier Elemente, der Titel der Borges-Erzählung: Tlön, Uqbar, Orbis Tertius. Je weiter das Projekt voranschritt, umso schwieriger wurde die Wahl der richtigen Stichwörter. Konnten wir am Anfang noch recht unbefangen aus einem großen Pool von Stichwörtern die auswählen, die uns gerade interessant erschienen, mussten wir im Laufe der Zeit immer mehr darauf achten, Wörter zu wählen, die uns zur Komplettierung des Gesamtbildes noch fehlten. Da unser Ordnungsprinzip das Alphabet war, sollten am Ende natürlich auch alle Buchstaben vertreten sein. Uns war bewusst, dass wir unserem vermessenenen Anspruch, eine ganze Welt in fünfzig Bände zu packen, nur in Ausschnitten und Fragmenten gerecht werden konnten, hofften aber, dass die von uns aufgefundenen Scherben eine Ahnung von dem ganzen Gebäude möglich machen würden. Borges Erzählung, der wir den Namen der Enzyklopädie verdanken, spielte als Inspirationsquelle eine wichtige Rolle, aber wir konnten die idealistische Welt von Tlön nur gespiegelt in unserer eigenen Welt darstellen. Schon in die ersten Bände flossen Borges-Zitate immer wieder mal sporadisch ein. Aber erst nach einigen Jahren realisierten wir, dass mittlerweile ein beträchtlicher Teil des Tlön-Textes, verteilt auf die unterschiedlichsten Bände, Aufnahme in die Enzyklopädie gefunden hatte, und entschieden uns dann, nach und nach den kompletten Text in die Enzyklopädie aufzunehmen, gewissermaßen als roter Faden, der sich auf verschlungenen Wegen durch das Projekt zieht. Da wir von Anfang an neben einer deutschen Übersetzung auch das spanische Original sowie eine englische und französische Übersetzung verwendet hatten, ist der Text nun mehrsprachig, vielstimmig in der Enzyklopädie vorhanden, teilweise nicht auf den ersten Blick erkennbar (z.B. auf dem schwarzen Vorsatz des ZEIT-Bandes). So wie sich der Text von Borges quasi von selbst, und von uns nicht von Anfang an beabsichtigt, in das Projekt eingeschrieben hat, hat das Projekt auch seine Macher beeinflusst und verändert. Die jahrelange Beschäftigung mit der Enzyklopädie ist an unserer Arbeitsweise nicht spurlos vorübergegangen. Denken und Arbeiten im enzyklopädischen Kontext sind uns vertraut geworden und in die Arbeitsweise eingeflossen. Andererseits haben sich natürlich auch unsere Lebensumstände und Orte, unsere Reisen (reale und fiktive) in dem Projekt niedergeschlagen: Menschen und Bücher, die uns beeinflusst haben. Während der Arbeit an dem Projekt haben wir versucht ausführlich, vielschichtig, umfassend, enzyklopädisch zu sein; mit unseren Mitteln. Jetzt, da nach zehn Jahren die fünfzig Bände fertig vor uns liegen, erkennen wir, dass sie nur ein winziger Teil eines gewaltigen Eisberges sind, der eigentlich ein Bücherberg ist. Das meiste sehen wir nicht, weil es sich unter der (Wasser-)Oberfläche befindet, aber wir sind uns seiner Existenz bewusst. Wir sehen das Projekt vernetzt mit einer Vielzahl anderer Bücher und sind glücklich, dass es sich durch die Aufnahme in öffentliche Sammlungen auch in der räumlichen Nähe zu einer enormen Anzahl anderer Bücher befindet.
Die fünfzig Bände sind in einer Auflage von vierzig nummerierten und signierten Exemplaren erschienen. Sie haben ein einheitliches Format von 12,5 x 20 cm, sind handgebunden und in der Regel fadengeheftet. Die Rückenbreite variiert je nach Volumen des Bandes. Der gesamte Block der fünfzig Bände ist ca. 63 cm lang. Die Einbände sind mit unterschiedlichen Materialien (Leinen, Papier; bedruckt oder unbedruckt), innerhalb einer Farbskala von hell- bis dunkelgrau, bezogen. Es gibt einen Ganzleder-Einband. Alle Bände haben an der gleichen Stelle ein Rückenschild, auf das die ersten vier Buchstaben des jeweiligen Stichwortes gedruckt sind (vorausgesetzt das Stichwort ist länger als vier Buchstaben). Die Enzyklopädie kann nur komplett erworben werden und kostet 12.000, Euro.
Tlön-Biografie
1997 Die ersten Bände der Enzyklopädie entstehen und werden auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. 1998 Das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt zeigt die ersten Bände. 2000 Die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig zeichnet unsere bis dahin erschienenen Bände mit dem Walter-Tiemann-Preis aus. // Hans Peter Willberg nimmt die Enzyklopädie in seinem Buch Typolemik Typophilie in die Reihe der typophilen Bücher auf. 2001 Erste tlön on tour Reise an die Ostküste der USA. // Die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel zeigt im Malerbuchsaal die Ausstellung Zwischenbilanz im fünften Jahr in der 25 Bände präsentiert werden. // Uwe Warnke schreibt in einem Artikel für The Journal of Artists Books, JAB 16 (Atlanta 2001) über deutsche Buchkunst und geht auch auf die Enzyklopädie ein. 2002 Zweite tlön on tour Reise an die Ostküste der USA. // Die Arts of the Book Collection der Yale University Library in New Haven zeigt in ihrer Ausstellung By Chance: Serendipity and Randomness in Contemporary Artists Books auch einige Bände der Enzyklopädie. 2003 Das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt und das Museum of Arts & Design New York zeigen in der Neunten Triennale Bände der Enzyklopädie. // Ulrike Stoltz schreibt über die Enzyklopädie in ihrem Artikel über zeitgenössische Buchkunst in Deutschland für das Artists Book Yearbook 20032005 (Bristol 2003). 2004 Das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt zeigt in einer Einzelausstellung die bis dahin erschienenen 35 Bände. 2005 Weitere Reise in die USA, über Chicago an die Westküste; wir besuchen Barbara Tetenbaum in Portland. // Die Stiftung Buchkunst zeigt in der Ausstellung Jung geblieben im Deutschen Buch- und Schriftmuseum Leipzig auch Bände der Enzyklopädie. 2006 Das Municipal Museum im japanischen Toyota zeigt Bände der Enzyklopädie in der Ausstellung 13+: Contemporary Artists Books from Germany. // Ende des Jahres komplettieren wir die Reihe, alle fünfzig Bände liegen vor. 2007 Im Februar nehmen wir an der Buchkunstmesse der Codex Foundation in Berkeley teil und stellen dort erstmals alle fünfzig Bände vor. // Im Sommer zeigt die Public Library (Skylight Gallery) in San Francisco Bände der Enzyklopädie in der Ausstellung 13+: Contemporary Artists Books from Germany. // Im Herbst zeigt das Gutenberg-Museum Mainz alle fünfzig Bände in der Ausstellung Zweite Enzyklopädie von Tlön. 2008 Ausstellung Tweede encyclopedie van Tlön. Een boekkunstproject van Ines von Ketelhodt en Peter Malutzki, Museum Meermanno Den Haag. // Ausstellung Künstlerbücher: Ines von Ketelhodt + Peter Malutzki, Galerie der EDITIONALE Köln. // Wissenschaftliches Kolloquium und Ausstellung Die Erkundung von Tlön, Ruhr-Universität Bochum. 2009 CODEX International Book Fair & Symposium, University of California, Berkeley. // HYBRID BOOK Conference and Book Fair, The University of the Arts, Philadelphia. 2011 CODEX International Book Fair & Symposium, University of California, Berkeley.
Sammlungen
Bibliothèque Municipale, Saint-Quentin
Bibliothèque nationale de France, Paris
Bibliothèque nationale de Luxembourg
Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Leipzig
Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main
Harvard University, Fine Arts Library, Cambridge, Massachusetts
Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel
Jack Ginsberg Collection of Book Arts, Johannesburg, Südafrika
Klingspor Museum, Offenbach am Main
Library of Congress, Washington
Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt am Main
Museum Meermanno, Den Haag
Niedersächsische Landesbibliothek, Hannover
Österreichische Nationalbibliothek, Wien
Princeton University Library
Public Library, George Arents Collection, New York City
Reed College Library, Portland, Oregon
Rheinische Landesbibliothek, Koblenz
Rochester Institute of Technology
Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main
University of California, Bancroft Library, Berkeley, California
Victoria & Albert Museum, National Art Library, London
Wesleyan University, Olin Library, Middletown, Connecticut
Yale University, Arts of the Book Collection, New Haven, Connecticut